Samstag, 28. Oktober 2017

Stadtpark Tour

HAMBURGER STADTPARK TOUR


Vom Privatpark zum Volkspark


Die 1920 er Jahre waren geprägt von einem gesellschaftlichen Umbruch: Während sich im ersten Weltkrieg die Menschen abschlachteten, kam auch ein Reformgedanke auf.  Frauen legten die langen Haare und die Mieder ab, Vegetarismus, Körperwahrnehmung und die Liebe zur Natur trat in das Bewußtsein. Die Reformhäuser und die FKK Bewegung sind Zeugnisse dieses Umbruchs bis in die heutige Zeit.
Der Hamburger Stadtpark ist ein wundervolles Beispiel für diese Ideen . Hier wurden die Bedürfnisse der Bevölkerung nach Spiel- und Bewegungsraum im Volksparkgedanken befriedigt und der Park nicht nur zum gesitteten Spazierengehen erbaut. Typisch für den Volksparkgedanken sind zentrale, große und zusammenhängende, betretbare Spiel- und Sportflächen und ein entsprechend reduziertes Wegenetz.

Trinkhalle

Im Sinne der Volksgesundheit wurde die Trinkhalle 1914 von Fritz Schumacher entworfen und hier wurden Brunnenkuren für Städter angeboten, die sich den Besuch eines Kurbades nicht leisten konnten. Es gab hier eine Auswahl an  50 Heilwassern.


Stadthalle

Am Endpunkt der Sichtachse vom Planetarium stand einst die Stadthalle mit dreiteiligem Saalbau, zwei Arkadenflügeln, Musikpavillons, Nebensälen und Terrasse. Von dem pompösen Bau von Hermann Höger ist heute nichts übrig. Bei der letzten Parksanierung wurde in Erinnerung an dieses Ensemble drei Terrassen wieder hergestellt. 

Diana auf der Hirschkuh

Ganz im Sinne des neuen Körperbewusstseins schuf hier der Künstler Georg Wrba eine Figur, die sich in Bewegung befindet: Die Oberschenkel an den Tierleib gepresst, den Körper in Spannung im Moment des Abschießens des Pfeiles. Kunst als Motivation für Volkssport und Volkserziehung.   


Pinguinbrunnen

Die Pinguine in ruhiger Haltung, konzentriert auf das Wesentliche, frei von stofflichen Strukturen. Mit dieser sachlichen Auffassung nahm der Künstler die beginnende Moderne vorweg. Der Schöpfer August Gaul bringt die Begeisterung, den man bei den Stadtparkbesuchern bis heute beobachten kann auf den Punkt: "...Was mich bei den Tieren anzieht, ist ganz wesentlich künstlerischer Art. Ich mache Tiere, weil es mich freut..."



Der Affe

Es gibt immer wieder kleine Kunstwerke im Stadtpark zu entdecken, die einem ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern. Der kleine Affe von Hans Peter Feddersen von 1955 ist ein faszinierendes Beispiel seiner Begabung durch glatte Flächen und klare Rundungen, durch Vereinfachungen und Stilisierungen, die Darstellungen des Affen auf das Wesentliche zu vereinfachen, dass er sich natürlich in die Umgebung einfügt. 


Tanzende Mädchen

Den Stil der 1950 er Jahre vorausgreifend schuf Karl August Ohrt 1935 dieses grob gehauene, dynamische und in sich verbundene Werk, der tanzenden Mädchen. Mit dieser Körperlichkeit und Natürlichkeit passt dieses Kunstwerk ganz in den Reformgedanken des Volksparkes. Im Faschismus als entartet angesehen, wurde es erst 1945 hier wieder aufgestellt.  

Adam und Eva

Die beiden Figuren Adam und Eva von Oscar E. Ulmer von 1933 wirken in Ihrer klassischen Form eher wieder wie Figuren aus einem Schloßgarten. Der geneigte, madonnenhafte Kopf Eva's mit den strengen Haaren, spiegelt ein komplett anderes Lebensgefühl wieder, wie die tanzenden Mädchen und die verspielten Pinguine. Der Heckengarten, in den sie stehen diente als Rückzugsort und lädt bis heute die Besucher zur Lektüre und zum gepflegten, sittsamen Verweilen ein.  


Knabe mit Fischen

Vom gleichen Künstler wie Adam und Eva geschaffen zeigt die Figur des Knaben von 1925 noch einen verspielten Lebensgeist. Die Figur wurde in den 1970 er Jahren gestohlen und in einem Privatgarten wieder gefunden. Heute scheint die Bronze die Menschen wieder zu begeistern, so wird sie zusehend für Selfies genutzt.  


Wolke Wirbel und FKK Wiese

Graffity auf Mülltonnen und abstrakte Kunst spiegeln auf der Wiese am Stadtparksee die Lebenswelten der heutigen Gesellschaft wieder.  Auf dieser Wiese wird heute geduldet öffentlich FKK gelebt. Das FKK Licht- und Luftbad, das ein wichtiger Bestandteil des Parkkonzeptes war, musste leider schließen, da es keine ehrenamtlichen Betreiber mehr gab.   

Licht und Luftbad

Das Licht und Luftbad wurde bereits zu Beginn eingerichtet und diente als FKK Fläche mit folgendem Hintergrund: "...Luft und Licht sind Lebenselemente im wahren Sinne des Wortes für Menschen, Tiere und Pflanzen. Besonders für Kranke und Schwache sind sie unentbehrlich zur Wiederherstellung der erschütterten Gesundheit. Von unschätzbarem Werte ist der Aufenthalt in frischer, reiner Luft.."


Volkspark - Hamburger Stadtpark


Bilder sprechen mehr als Worte: An einem Sommertag ist der Stadtpark für Alt und Jung und für alle Nationen ein Treffpunkt. 
Es wird gegrillt, gefeiert, Fussball und anderes gespielt. Von mittelalterlichen Rollenspielen bis Football kann man hier alles finden.

Das Konzept von vor über hundert Jahren ist aufgegangen und ein Besuch und eine geführte Tour durch die versteckten Winkel und die öffentlichen Plätze lohnt sich!

Hamburg at it's best.


Freitag, 13. Oktober 2017

St. Georg Höfe

St. Georg von Hinten

Ein Blick hinter die Kulissen aus Anlass der Verlegung von Hamburg-Live-Tours in die Lange Reihe 34  


Lebensgefühl

St. Georg ist mehr als der Steindamm mit seinen Sexshops und Dönerläden oder die Lange Reihe mit schicken Läden und trendigen Cafés. St. Georg ist eine Oase der Stille, ein Mikrokosmos in der Großsstadt. Hier haben sich Bewohner einen Lebensraum in ehemaligen Industriehöfen, in Schulhöfen und in Kleinstwohnungen geschaffen.  
Ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich und vermittelt das Lebensgefühl der St. Georger.


Der Ritter von St. Georg

Nur wenige Meter vom Hauptbahnhof entfernt leben St. Georger in Ihrem Dorf.
Der Innenhof des Fachwerkhauses ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich
aber ein Besuch im Gasthaus der "Alte Ritter" ist für alle möglich und  lohnt
sich seit 1780. Das heutige Idyll war einst ein Ausspann und Tränke
für Pferde an einem Wiesenweg zur Alster. Die reichen Hamburger Kaufleuten,
die sich an der Alster vergnügten, stellten hier Ihre Pferde unter.
St. Jürgen, vor den Toren der Stadt war nicht nur Heimat von Abdeckern
und Schafrichter sondern auch Ort gepflegter Sommersitze und
Gartenhäuschen am Alsterufer.




Wohltätiges St. Jürgen

Ein Ort der Stille im Herzen der Millionenstadt. Nicht nur junge Familien zieht
es in den trubeligen Stadtteil auch Senioren genießen seit hunderten von
Jahren die Nähe zur Alster.

Das August Heerlein-Stift wurde 1894 gegründet um "... Witwen und
Jungfrauen aus gebildeten Kreisen, die keine öffentliche Unterstützung
genießen, aber Mittel zur Bestreitung des Lebensunterhaltes besaßen,
Freiwohnen zu gewähren..."
Bis heute bietet die Stiftung hier Seniorenwohnungen und qualifizierte Pflege
mitten in der Stadt und doch im Grünen.



Industriehöfe

Die Koppel 66 ist nicht nur zur Adventszeit mit seinem Wehnachtsmarkt ein
Treffpunkt im Stadtteil. Kleine Werkstätten, Ateliers und ein vegetarsiches
Café laden ein zum Verweilen. Die ehemalige Maschinenfabrik,die 1924 
im Stil des Hamburger Art Deco erbaut wurde bis 1928 für den Maschinenbau
als Dreherei  und laut Einheimischen im Krieg als Revolverdreherei genutzt.
Lange stand das Haus leer und diente „1000 Töpfe“ als Lager.
Dieser Hof ist ein Beispiel, wie aus einem Industriehof eine lebenswerte Oase
wurde. 





Terassen mal anders

Die Hamburger Terrassen sind die letzten Zeugnissen für die Lebensbedingungen
der Arbeiterschaft vor dem Ersten Weltkrieg. 
Die Teraced Houses Englands mussten als Namensgeber für diese Variante
gründerzeitlichen Massenwohnungsbaus herhalten. Diese Kleinstwohnungen
dienten einst Großfamilien als beengte Unterkunft, heute sind sie begeehrte
innerstädtische Single- und Studentenwohnungen. Die Warteliste bei der Saga
GWG ist lang und man kann es bei diesem Idyll verstehen.  
Die Einheimischen nennen diesen Gang übrigens "Shitbüttelgang".



Der Drache von St. Georg

St. Georg ist ein lebendes Beispiel bundesrepublikanischer Geschichte. Neue
Lebensformen ausprobieren fand und findet in diesem Quartier statt.
Die kleine Genossenschaft "Drachenbau"  lebt gemeinsame, ehrenamtliche
Selbstverwaltung. Gemeinsame kulturelle und sportliche Aktivitäten,
gemeinsame Nutzung kleiner Werkräume u.a.m.. Kinder haben
in diesem Hof immer jemanden zum Spielen und die Eltern
können sich gegenseitig unterstützen. Wenn im Alter die Zipperelein
oder auch schwere Krankheiten kommen, ist nachbarschaftliche Hilfe
gegeben. Bei diesem ältesten Wohnprojekt St. Georgs gibt es sogar
schon eine gemeinsame Grabstätte in Ohlsdorf.



Innere Einkehr

Stille und Ruhe bietet der Mariendom im Zentrum St. Georgs. Ein Gang durch
die Kirche führt in das Atrium, das an einen Kreuzgang erinnert und
einen auf ein fast mystische Erlebniss im Kolumbarium vorbereitet.
Hier trifft moderne auf traditionelle Architektur, traditioneller Glaube auf
Moderne. War es im Mittelalter ein Privileg der Reichen am Alter bestattet
zu werden, sind es hier alle Gemeindeglieder, die unter dem Altar Ihre
letzte Ruhe finden. 
Wer innere Einkehr sucht, ist hier richtig.





Ort der Arbeit

Ein Blick hinter die Kulissen St. Georgs, hinein in die Gänge und Höfe lohnt sich.
Am Ende manchen Ganges verbirgt sich eine kleine Werkstatt, ein Kräuterladen,
ein Visagist oder einfach ein Mensch, der seinen Traum lebt.

Gerne zeigen wir Ihnen unser St. Georg. Lebendiger Stadtteil mit
eigenwilligen und besonderen Menschen.
Kontaktieren Sie uns, unsere Geschäftsräume sind auf der Langen Reihe 34




Stadtpark Tour

HAMBURGER STADTPARK TOUR Vom Privatpark zum Volkspark Die 1920 er Jahre waren geprägt von einem gesellschaftlichen Umbruch: W...